Offensichtlich habe ich mit dem Einstieg in die Aufklärung rund ums Coaching einen Nerv getroffen. Danke für Eure Aufmerksamkeit! Direkt im Anschluss hat mir ein nettes Vögelchen geflüstert, dass eine Bank (ja, BANK…) vor Kurzem einen Artikel zum Coaching-Wirrwahr veröffentlich hat. Offensichtlich habe nicht nur ich mir aufgrund der Fülle von Angeboten die Frage gestellt, was Coaching für den Kunden bedeutet und wer da noch den Überblick behalten soll. Es werde also etwas Licht im Dschungeldickicht!  

Ich nutze das zum Anlass, ein paar der beleuchteten Themen aufzugreifen und zu vertiefen. Den Link findet ihr am Schluss.

Im genannten Artikel wird von Online – Seminaren mit beliebig vielen Teilnehmern oder Jahresabos abgeraten, da es mit „gutem Coaching“ nichts zu tun hat. Gutes Coaching ist demnach individuell auf die Bedürfnisse des Klienten zugeschnitten. Das unterschreibe ich so.

Wenn ich nach „Schema F“ vorgehe, kann das Gegenüber schnell in einen Rahmen gepresst werden, in den es gar nicht passt. Manchmal wird dann so lang geknetet, bis es passt. Oder wortgewaltig oder wortgewandt klargestellt, dass es (jetzt) passt. Eher kontraproduktiv. Und erinnert ein wenig an Suggestion oder im schlechtesten Fall an Manipulation. Merke: Ein „guter Coach“ arbeitet individuell.  

Dazu kommt, dass auch ein großer Methodenkoffer nicht vor ausbaufähiger Kompetenz im Zwischenmenschlichen schützt. Soll heißen: der Coach weiß gemäß Lehrstoff viel, aber kann es im Zweifelsfall nicht gut praktisch einsetzen. Womit wir wieder nahe an „Schema F“ wären. Denn auch ein Coach muss im Sinne des lernenden Schülers fleißig üben, um seine komplette Bandbreite ausspielen zu können. Damit ist er zunehmend in der Lage, wachsenden Erfahrungsschatz und Intuition ins Gespräch einzubringen. Und so hat der Klient am Ende den größtmöglichen Mehrwert. Win – Win – Situation, wie man so schön sagt…

Dafür braucht es einen soliden Grundstock an Lebens-erfahrung.  Ich will nicht sagen, dass das Sinnbild eines guten Coaches „Mitte 50 aufwärts“ ist, der durch alle Höhen und Tiefen des Lebens hindurchgegangen ist. Ein Mitt-Dreißiger kann mit entsprechender Lebens- und Berufserfahrung genauso wertvoll arbeiten, wenn es zu mir und meinen Bedürfnissen passt. Doch ich selbst werde skeptisch, wenn mir ein frischer Alumni (der Ausstudierte) oder Ausgelernter erzählen will, wie die Welt bis ins letzte Detail funktioniert. Der Artikel beschreibt Ähnliches und gibt mit auf den Weg, Berufs- und Lebenserfahrung auf jeden Fall zu prüfen. Was auch immer das für den Einzelnen heißt. Holzauge, sei wachsam…

Mein Tipp: Schaut ruhig durch den gesamten Werde-gang des potenziellen Coaches und prüft für Euch, ob es inhaltlich zu Euch passen kann. Hat der Coach eine Social Media – Präsenz? Dann geht dort ruhig „Mäuschen spielen“. Danach fragt im Erstgespräch gezielt nach, was Euch wichtig ist und ob es sich mit dem Angebot deckt. Methodik sollte kein Geheimnis sein und Transparenz spricht für Seriösität. Wenn ihr dann noch Jemanden kennt, der mit der Person zusammengearbeitet hat und zufrieden ist, ist das schon die halbe Miete.

 

 

Diesen Weg gehen übrigens auch viele Entscheidungs-träger in Unternehmen, wie eine Studie von Kanning & Finke bereits 2018 gezeigt hat.

Ein weiterer Punkt sind Verband – Zertifikate, da sie „Hinweis auf eine qualifizierte Ausbildung sein [kann]“. Hier wird über aktuell etwa 20 Coachingverbände gesprochen. Doch wieviel Qualitätsmerkmal steckt wirklich dahinter? 20 könnte bald auch 50 sein. Oder irgendwann nur noch 10? Wie kritisch sollte ein Interessent trotz Verband-Zugehörigkeit sein? Oder ist das Coaching dann automatisch Wertarbeit? Die Antwort liegt wie so oft irgendwo dazwischen. Hier weiß selbst das „Coaching“ – Magazin keinen tiefgründigen Rat, bietet aber einen tieferen Einblick in das Verbandssystem. Vielleicht ist dem Einen oder Anderen damit schon geholfen.

Soll ich nun einen Verband-Coach nehmen oder nicht? Ganz ehrlich? Vertraut Eurem Bauchgefühl! Wer sich damit schwer tut, kann sich vorab mit wohlwollenden Freunden austauschen. Und erfragen, was Sie von dem Coach halten, den Ihr ins Auge gefasst habt. Dann steht Ihr zumindest nicht ganz allein mit der Entscheidung da. Und ganz platt gesagt: Ein Coach sollte euch vor allem sympatisch sein. Denkt daran, dass es im Gespräch auch ans Eingemachte gehen kann. Wem vertraue ich dann mehr?

Ein Punkt, der mir sehr am Herzen liegt, ist die Aussage: „Verantwortungsvoll Coachende kennen ihre Grenzen und verweisen an psychologische oder psychotherapeutische Fachkräfte.“

In unseren Nachbarländern wie Österreich, in denen eine fundierte Lebens- und Sozialberater – Ausbildung neben der eigentlichen Coaching-Ausbildung erforderlich ist, wird eben diese (durchaus rechtliche) Problematik detaillierter behandelt. So sollte es doch auch für jeden Coach „klar sein“, wo die Grenzen liegen. Doch „wo“ die Grenze genau liegt, das wird ehrlicherweise in kaum einer deutschen Coaching-Ausbildung ausreichend thematisiert.

Im Sinne von Martin Seligman – dem Begründer der Positivpsychologie – steht jedoch Eines fest: Coaching kann – z.B. bei Erkrankungen wie Depression – eine sinnvolle Ergänzung der Therapie darstellen. Denn der Blick ist vorwärts gerichtet und selten rückwärts. Und wer sollte es besser wissen, als Derjenige, der selbst einmal davon betroffen war.

Und am Schluss nochmal ein kurzer Schwenk zum eingangs abgeratenen Online – Seminar: An einigen Stellen hat der Austausch in Kleingruppen einen großen  Mehrwert für das Gesamtergebnis des Einzelnen. Daher ist die Aussage aus dem Online – Artikel mit Vorsicht zu genießen. Wenn Ihr auf eine individuelle Betreuung wert legt, dann sind Online – (Groß-)Veranstaltung jedoch fürs Erste eher weniger Euer Spielfeld.

Und hier für alle Neugierigen der Link zum Artikel, den ich in Teilen zitiert habe: https://www.ing.de/wissen/millionaer-coaching/